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Langzeitstudie „Strahlungsmonitoring“

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in
  • Forschungsprojekte
Dortmunder Phönixsee.

Wie wirkt sich das Dortmunder Leuchtturmprojekt „Phoenix“ auf den Stadtteil Hörde und die Dortmunder Gesamtstadt aus?

  • Projektteam: Susanne Frank, Verena Gerwinat, Ulla Greiwe
  • Laufzeit: seit 2011

Eigenforschung

Noch bis nach der Jahrtausendwende war der traditionsreiche Dortmunder Arbeiterstadtteil Hörde geprägt durch ein riesiges Hochofen- und Stahlwerk. An dessen Stelle befinden sich heute ein Standort für innovative, zukunftsorientierte High-Tech und Dienstleistungsunternehmen (Phoenix West) und ein künstlicher See mit gehobener Wohnbebauung, Gewerbe und Freizeiteinrichtungen (Phoenix See). Adressat*innen dieses Leuchtturmprojekts der Dortmunder Stadtentwicklung sind die gebildeten „kreativen“ Mittelschichten. Phoenix-Hörde ist damit der Ort, an dem die Stadt sich demonstrativ von ihrer industriellen Vergangenheit verabschiedet und sich gleichzeitig als international renommierter Wissens- und Technologiestandort neu erfindet.

In der Folge ist Hörde heute ein Stadtteil starker optischer Kontraste und sozialer Gegensätze. Wie nirgendwo sonst im Ruhrgebiet leben Gewinner*innen und Verlierer*innen des Strukturwandels Seite an Seite. Diese Konstellation erklärt einen Großteil des überregionalen, ja internationalen Interesses an diesem Projekt – auch unser.

Fragestellungen und Ziele des Projekts

Das Forschungsprojekt untersucht die materiellen und symbolischen, gefühlten und tatsächlichen Auswirkungen des Phoenix-Projekts auf den Stadtteil Hörde. Seit 2011 sammeln und erheben wir systematisch Daten zu der Frage, wie das „neue“ auf das „alte“ Hörde ausstrahlt -- daher der Name „Strahlungsmonitoring“. Dabei interessieren wir uns für „harte“ Facts and Figures ebenso wie für die (kollektiven) Emotionen, die die Transformation hervorruft.

Ziel ist es, ein empirisch fundiertes Bild des Wandels im Stadtteil sowie der darauf bezogenen unterschiedlichen Wahrnehmungen und Perspektiven zeichnen zu können.
Zudem möchten wir Erklärungen und Interpretationen für vorhandene Diskrepanzen zwischen subjektiv empfundenen und objektiv nachweisbaren Veränderungen anbieten und versuchen, eigene Konzepte zur Deutung des Quartierswandels bzw. der diesbezüglichen Auseinandersetzungen zu entwickeln.
Überdies möchten wir den interessierten lokalen und überregionalen Öffentlichkeiten sowie den verschiedenen Akteursgruppen (Stadtpolitik, Stadtplanung, zivilgesellschaftliche Gruppen etc.) mit unseren Daten eine belastbare Grundlage für informierte Diskussionen und quartiersbezogenes Handeln bieten.
Nicht zuletzt ist es uns ein Anliegen, mit unseren Erkenntnissen theoretisch und empirisch zu Fachdiskussionen beizutragen, etwa zu den Forschungsfeldern Wohnen und Quartiersentwicklung, Deindustrialization Studies, Neighborhood Studies und Urban Emotion Studies.

Folgende Besonderheiten zeichnen unsere Forschung aus:

Langzeitstudie. Erwünschte oder befürchtete Veränderungen infolge städtebaulicher Großprojekte stellen sich nicht über Nacht ein, sondern entwickeln sich eher langsam, d.h. über Jahre oder Jahrzehnte hinweg. Dies gilt für Image-Effekte ebenso wie für den Wandel von Gewerbestrukturen oder die Entwicklung sozialer Beziehungen zwischen Alteingesessenen und Neuzugezogenen. Deshalb haben wir unsere Studie auf viele Jahre hin und open end angelegt.

Mixed-Method-Design: Um den sozialen und räumlichen Wandel im Stadtteil aus unterschiedlichen Perspektiven erfassen zu können, haben wir einen aufwändigen methodenpluralen Ansatz entwickelt, der einen breiten Strauß an klassischen und innovativen qualitativen und quantitativen Methoden kombiniert.

 

 

Bisherige Publikationen aus dem Projekt (in gegenchronologischer Reihenfolge):

Frank, S. (2022) „Stadtnatur“ als Medium sozialräumlicher Transformation. Haussmanns Neuordnung von Paris und Dortmunds Phoenix-Projekt. In: Hollstein, B./ Tänzer, S./ Thumfart, A. (Hg.) Gärten: Geschichte, Kulturen, Gestalten. Göttingen: Wallstein, 149–174.

Frank, S./ Gerwinat, V./ Greiwe, U./ Schmitt, J. P. (2022). Mixed-methods monitoring of large-scale urban development projects: the case of lake phoenix in Dortmund-Hörde. In: J. M. Gurr/ R. Parr/ D. Hardt (Hg.) Metropolitan Research. Methods and Approaches, Bielefeld: transcript, 367–382. https://doi.org/10.14361/9783839463109-021.

Frank, S. (2021) Gentrification and neighborhood melancholy: collective sadness and ambivalence in Dortmund’s Hörde district. In: cultural geographies, 28(2), 255–269. https://doi.org/10.1177/1474474020987253.

Gerwinat, V. (2020). Parallelwelten?! Das Zusammenleben alteingesessener und neu zugezogener Bevölkerungsgruppen in Dortmund-Hörde. Unveröffentlichte Masterarbeit. Dortmund: Technische Universität Dortmund.

Frank, S. (2018) Das Phoenix-Projekt und die große Erzählung vom Neuen Dortmund. Diskussionen um »gefühlte« Gentrifizierung im Stadtteil Hörde. In: N. Gestring/ J. Wehrheim (Hg.) Urbanität im 21. Jahrhundert. Eine Fest- und Freundschaftsschrift für Walter Siebel, Frankfurt a.M./New York: Campus, 196-214.

Frank, S. (2017) „Ein bisschen Gentrifizierung täte dem Ruhrgebiet ganz gut!“ Diskussionen um Aufwertung und Verdrängung am Beispiel Dortmund. In: J.-P. Schräpler / J. Scharioth (Hrsg.), Wege zur Metropole Ruhr – Heimat im Wandel, Essen: Klartext Verlag, 112–114.

Frank, S. (2013) Bilderpolitik: Seeblick ohne Clarenberg. Mieterforum, 9(31,1), 11.

Frank, S./ Greiwe, U. (2012). Phoenix aus der Asche: das “neue Dortmund” baut sich seine „erste Adresse“. In: Informationen zur Raumentwicklung 11/12, 575–587. http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/IzR/2012/11_12/Inhalt/DL_FrankGreiwe.pdf?__blob=publicationFile/v=2.

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